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Stosszeiten: Wann die Züge wirklich voll sind

Der Schweizer ÖV hat ein seltsames Problem. Über den Tag gerechnet sind die Züge grösstenteils leer, und trotzdem steht man morgens um Viertel nach sieben im Gang. Beides stimmt, und das erklärt einiges.

Die Zahlen

Die durchschnittliche Sitzplatzbelegung liegt im Regionalverkehr bei rund 23 Prozent, im Fernverkehr bei etwa 31 Prozent. Über den Tag verteilt sind also mehr als zwei Drittel aller Plätze frei, im Schnitt fast drei freie Plätze pro Viererabteil.

Diese Zahl fühlt sich falsch an, weil niemand den Durchschnitt erlebt. Erlebt wird die Spitze. Und die konzentriert sich auf sehr wenige Stunden und sehr wenige Strecken.

Die kritischen Fenster

ZeitLage
06:30 bis 08:30Morgenspitze. Die vollsten Züge des Tages, Richtung Zentren.
08:30 bis 16:30Ruhig. Fast immer ein Sitzplatz, oft ganze leere Abteile.
17:00 bis 19:00Abendspitze. Ähnlich voll wie morgens, breiter verteilt.
ab 19:00Entspannt, ausser bei Veranstaltungen.

Die Auslastung ist zudem sehr ungleich über das Netz verteilt. Auf der Strecke Genf nach Lausanne werden in der Spitze bis zu 98 Prozent erreicht. Zwischen Bern und Zürich liegt die zweite Klasse um sieben Uhr morgens bei etwa 54 Prozent und eine Stunde später schon bei rund 60 Prozent. Die berühmte Hauptachse ist also nicht einmal die schlimmste.

Was tatsächlich hilft

  1. Eine Viertelstunde verschieben. Der Unterschied zwischen dem Zug um 07:32 und dem um 07:47 ist oft erheblich. Die Spitze der Spitze ist erstaunlich schmal.
  2. Den langsameren Zug nehmen. Ein IR, der fünf Minuten später ankommt, ist oft halb leer, während der IC überfüllt ist. Alle wollen den schnellsten.
  3. Richtig am Perron stehen. Die Wagen in der Mitte des Zugs, direkt bei der Unterführung, füllen sich zuerst. Die vorderen und hinteren Sektoren bleiben leerer.
  4. Erste Klasse an Randtagen. Am Freitagabend und in den Ferien ist die zweite Klasse überfüllt, während oben Platz ist. Der Aufpreis für eine einzelne Fahrt ist manchmal weniger, als man denkt.

Warum die offizielle Auslastungsanzeige nicht alles sagt: Die Prognosen der Transportunternehmen beruhen auf Erfahrungswerten und Zählungen. Sie kennen die Klassenfahrt nicht, die heute in deinen Zug steigt, und auch nicht das Konzert, das gerade zu Ende geht. Deshalb ergänzen Meldungen von Reisenden, die gerade im Zug sitzen, das offizielle Bild.

Ein Wort zur Diskussion um volle Züge

Dass Züge zur Spitzenzeit voll sind, ist kein Planungsfehler, sondern eine wirtschaftliche Entscheidung. Wagenmaterial, das nur zwei Stunden am Tag gebraucht wird, steht die übrigen zweiundzwanzig Stunden herum und kostet trotzdem. Jede zusätzliche Komposition für die Morgenspitze muss über den ganzen Tag finanziert werden. Die Alternative wäre, die Nachfrage zu verteilen, etwa über flexible Arbeitszeiten oder günstigere Preise ausserhalb der Spitze.

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Quellen und Stand

Stand: 13. September 2026. Preise, Fristen und Bedingungen im öffentlichen Verkehr ändern sich. Massgebend ist immer die Auskunft des Transportunternehmens.